Nie mehr zum Reifendienst

Wie jedem Motorradfahrer, ereilte mich, Ende September 2001, die leidige Überraschung, das meine Reifen schon nach 6.000 km im A... ääh... am Ende sind.

Ich natürlich im Internet, das güstigste Angebot rausgesucht. Leider fand sich aber kein Reifendealer, der mir die, nicht bei ihm gekauften Pneus, aufziehen wollte. Oder sie verlangten Montagekosten, die den Preisvorteil auffraßen.

Also machte ich den nächsten Anlauf und versuchte in meiner Umgebung den günstigsten Preis für einen Satz Bridgestone BT020, zu erkunden. Den Zuschlag erhielt ein Reifenhändler nahe meiner Heimatstadt.

Ich brachte meine Dicke also, wie vereinbart, am 12.10.2001, zum Reifendienst. Ich wollte eigentlich zuschauen, aber da die Montage ca. eine Stunde dauern sollte, machte ich den verhängnisvollen Fehler und begab mich, auf einen Bummel durch das danebenliegende Kaufhaus.

Als ich nach einer Stunde meine neubereifte Dicke abholen kam, traf mich der Schlag. Nachdem ich bezahlt hatte und mir der Reifenfuzzi viel Spaß mit den neuen Schlappen wünschte, stieg ich auf. Beim Griff zum Lenker dachte ich, ich hätte mir die Schulter verdreht, da ich so schief zupacken mußte. Dann sah ich mir den Lenker an. Ihr werdet es nicht glauben. Er war verbogen. Ich bin runter vom Bock und hab ihn mir geanauer angesehen. Schreck laß nach. Im Tank eine kleine Beule und viele feine Kratzer. Seitenverkleidung verkratzt und eine Schraube fehlte. Hauptständer abgeschliffen. Alles auf der linken Seite.

Ich bin wutschnaubend zum Chef und hab ihn gefragt, ob ihnen meine Dicke umgefallen ist. Rotzfrech gab er mir die hier in Bayern sehr beliebte Auskunf: "Na, des ko ned sei!!" (Übersetzung aus Altbayrisch für Einsteiger: Diese Situation kann auf keinen Fall eingetreten sein!!). Alleine diese Antwort bringt mich im Regelfall schon zur Weißglut und sollte eigentlich die ansatzlose Verabreichung einer Watschn (Übersetzung aus Altbayrisch für Einsteiger: Eine verschärfte Ohrfeige) zu Folge haben. Ich war aber Diplomatisch und fragte ihn mit hochrotem Kopf, gblähten Nüstern, ausgefahrenen Reißzähnen (kennt Ihr die Story von Werner, wo der Präsi abdreht, weil der Obär seine Anna naß machen wollte?), ob er lebensmüde sei, mich hier verarschen zu wollen. Wenn ihm meine Dicke umgefallen ist soll er es jetzt zugeben oder ich fahr Ochterbohn (wie der Präsi) mit ihm.

Angesichts soviel Wut, meinerseits, meinte er dann kleinlaut, naja, es kann schon sein, er war gerade nicht da, als die Reifen montiert wurden.

Er unterschrieb mir dann auch eine Kostenübernahmeerklärung für den sichtbaren und evt. verdeckten Schaden. Er sagte, ich soll in die Werkstatt fahren und Ihm die Rechnung geben.

Das war an einem Freitag und mein Yamahadealer war leider im Urlaub. Ich grübelte noch eine Zeitlang über die Geschichte und kam zu dem Entschluß, ich sollte vielleicht gleich zum Anwalt gehen, nachdem sich der Reifenfuzzi erst ja ziemlich bedeckt hielt. Am selben Nachmittag bin ich also noch zum Anwalt. Er sagte mir, das es super ist, das ich den Zettel vom Reifenhändler habe und den Schaden noch vor dem Verlassen des Betriebsgeländes bemerkt habe.

Am Dienstag, als mein Yamahadealer, aus dem Urlaub kam, bin ich gleich zu ihm gefahren. Sein erster Kommentar war natürlich: Warum bist Du nicht zu mir gekommen, ich hätte Dir zwar etwas mehr abgeknöpft, aber dafür hättest Du jetzt keinen Schrott. (Ich sag es ja nicht gerne, aber er hat Recht und ich merk es mir für die Zukunft.)

Er hat dann auch gleich einen Gutachter geholt und am nästen Tag hab ich schon das Gutachten bekommen. Schaden: ca, 4000,- DM (2.000,- EUR)

Am Mittwoch abend rief mich der Reifenheini an und entschuldigte sich ca. 200 mal. Er beteuerte mir, er hat wirklich nichts von diesem Schaden gewußt. Hier seine Schilderung des Vorfalls.

Zur Zeitpunkt der Montage war er auswärts bei einem Kunden. Sein Mechaniker hat die Reifen gewechselt und war dann im Reifenlager beschäftigt. Dies hat sein Azubi genutzt und hat eine Probefahrt mit meiner Dicken gemacht. Er der Oberheld, der weder Führerschein noch Fahrpraxis mit Motorrädern hat, war von der Power der TDM total überrascht und hat sie gleich hingelegt. Danach hat er sie vor die Werkstatt gestellt und sich beim Mechaniker krank gemeldet, da er sich bei dem Sturz zeimlich verletzt hatte.

Dies hatte der Reifenfuzzi rausgefunden, nachdem er den Azubi am Mittwoch endlich telefonisch erreicht hatte.

O.K., ich glaub ihm die Story, denn wer vergrault sich schon gerne die Kundschaft, zumal er ja versichert ist.

Nach dem Telefonanruf, habe ich es schon fast bereut, das ich den Anwalt eingeschaltet, habe, aber nachdem ich erst im Februar 2002, nach erheblichem Druck, durch meinen Anwalt, die letzten Zahlungen erhielt war ich dann doch froh darüber.

Es kann natürlich immer etwas passieren, aber wenn ein Betrieb, einem Kunden, einen Schaden verursacht, sollte er diesen tunlichst umgehend begleichen. Ich bekam mein Geld von dem Reifenhändler erst, als dessen Versicherung zahlte.

Durch diesen miesen Kundenservice werde ich mich dort, auch mit der Dose, nie mehr blicken lassen. Wenn jemand aus der erdinger Gegend kommt und neue Reifen für Moped oder Dose braucht, werde ich ihm gerne Auskunft geben, wer dieser nichtempfhlenswerte Reifenhändler ist.